Der große Kunstraub

Kunstraub

Staatlich angezettelter Kunstraub – eine Plage, zwar nicht so alt wie das Entstehen erster Staatswesen im Alten Orient, aber dort schon früh nachweisbar, wie die im Reich Elam ausgegrabenen babylonischen Stelen beweisen. Freilich, der Aspekt »Kunst« spielte bei den Raubaktionen zunächst keine Rolle. Es ging um Wertgegenstände, die im Einzelnen allerdings auch von religiöser oder politischer Bedeutung sein konnten.

Eine historische Hochphase erlebte der Kunstraub durch die Expansion Roms ab dem 3. Jh. v.Chr. In den Triumphzügen der siegreichen Feldherren, in denen die Zurschaustellung von Kriegsbeute inszeniert wurde, ist von gewaltigen Schätzen die Rede. Langfristig führte die Umgestaltung der Urbs mit Beutestücken aus dem griechischen Kulturraum bei den Römern zur Ausbildung von Kunstsachverstand.

Der Autor verfolgt das Phänomen »Kunstraub« systematisch bis zur Plünderung Konstantinopels durch Kreuzfahrer im Jahr 1204. Detailanalysen sind dem Flaviertriumph nach Beraubung und Zerstörung des herodianischen Tempels in Jerusalem, den ägyptischen Obelisken in Rom und den vormals in Konstantinopel, nun in Venedig befindlichen Pferden von San Marco gewidmet, eingebettet in prinzipielle Überlegungen zu Kunstaneignung und Macht.
Ein sehr vollständiger Überblick über ein weites Feld, das der Autor in allen wichtigen Aspekten knapp und klar ausleuchtet. Lesenswert.

| Claus Hattler

Produktdetails

Der große Kunstraub – Orient, Griechenland, Rom, Byzanz

Ernst Künzl
Oppenheim: Nünnerich-Asmus Verlag 2019, 168 S., 81 Farb- und 26 SW-Abb., 25 Euro