Entfernte Zeiten so nah: Pandemien und Krisen

Wie 2020 üblich, hat – etwa nach einem Beitrag in der AiD 4/2020 von Gronenborn/Schreg – auch das Exzellenzcluster ROOTS der Universität Kiel ein Heft zum leider immer noch aktuellen Thema Pandemien, aber auch Krisen, veröffentlicht. Darin werden mehrere Zugänge zur Frage, was und wie Archäologie zur Bewältigung ebendieser beitragen kann, beleuchtet.

Johannes Müller betont den Ansatz im Vorwort: Modernes Krisenma­nagement muss auf Daten aus der ­Ver­gangenheit zurückgreifen, speziell zu menschlichen »Verhaltensweisen«, um genügend Erkenntnisse für die Bewältigung heutiger und zukünftiger Krisen zu haben, dies explizit vor dem Hintergrund des Mensch-Umwelt-Verhältnisses. Es reihen sich nun 13 Studien aus der Archäologie und ihren ­Nachbar­disziplinen aneinander. Betrachtet werden Ursprün­ge von Krankheiten sowie Krisenphasen im Neolithikum, der Eisen­zeit, der Antike oder dem Mittel­alter. ­Besonders interessant ist der vorletzte Beitrag zur aktuellen politischen Lage, in dem die wechselseitigen Bezüge zwischen modernen Gesellschaften und Pandemien betrachtet werden.

Das Heft ist interessant zu lesen: Konkrete Daten werden jedoch nicht angeführt. Es sind eher allgemeine Aussagen und Beispiele des Möglichen. Aber es richtet sich, wie derzeit so ­manche Veröffentlichung, nicht in erster Linie an das Fachpublikum, sondern an politische Entscheidungsträger. Es bleibt nun zu hoffen, dass diese Strategie aufgeht. 

| Detlef Gronenborn

Produktdetails

Entfernte Zeiten so nah: Pandemien und Krisen

Lutz Käppel et. al. (Hrsg.)
Leiden: Sidestone Press 2020, ROOTS Booklet Serie Nr. 1, zahlr. Abb., 64 S., 9,95 Euro, Open Access Download: www.sidestone.com/books/
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