Kultplatz der Wikinger auf Island neu untersucht

Eine neu erschiene Arbeit verwendet neue Ansätze zur Analyse von Radiokarbondaten, um einen wikingerzeitlichen Kultplatz tief in der massiven isländischen Surtshellir-Höhle zu dokumentieren.

Kultplatz in Wikinger Höhle mit Steinsetzung in Form eines Bootes.
Foto des dunklen Inneren einer großen Höhle. Credits: Haffenreffer Museum of Anthropology.

Vulkanausbruch erschafft Kultplatz

Außer einem Ring aus Steinen, der einen glatten Steinboden umgibt, sieht man in der Dunkelheit nichts. Nur zwei Lampen beleuchten den dunklen Raum. Von 2012- 2013 untersuchten Kevin Smith und ein kleines internationales Forscherteam die Surtshellir-Höhle. Fast 300 Meter in der totalen Dunkelheit der Höhle und 10 Meter unter der Erdoberfläche, fand man einen riesigen unterirdischen Ort aus der Wikingerzeit. Die Knochen von Haustieren wurden in Haufen abgelagert. Die Knochen und andere Opfergaben legten die Wikinger in einer einer bootsförmigen Steinstruktur ab. Sie erstreckte sich fast 120 Meter durch die Höhle. Dadurch veränderte sich das derzeitige Verständnis der Höhle und ihrer alternativen mittelalterlichen Ursprungsgeschichten.

Statistische Analysen von 22 Radiokarbondaten, einer datierten Vulkanascheschicht und mittelalterlichen Verweisen auf den Ort ermöglichten es den Forschenden zu zeigen, dass sich die Höhle in einer Eruption bildete. Die Eruption ereignete sich im späten 9. Jahrhundert n. Chr. Fast unmittelbar nachdem die ersten Siedler der Wikinger in Island angekommen waren. Die Eruption bedeckte schließlich 240 Quadratkilometer von einst fruchtbarem Land unter brennendem schwarzen Basalt. Dabei handelte es mit ziemlicher Sicherheit um den ersten großen Vulkanausbruch, den jemand in Nordeuropa seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 13.000 Jahren direkt miterlebt hat.

Nachdem der Vulkanausbruch beendet war, betraten die Wikinger die Höhle, die sie „die Höhle von Surtr“ nannten. Anschließend benannten sie die Höhle sie nach einer Figur in der nordischen Mythologie. Die Wikinger glaubten zudem das Surtr bei der Erschaffung der Welt anwesend war. Und diejenige sein würde, die die letzten der Götter in Ragnarök tötet, bevor sie die Welt zerstört. Sie nutzten die Höhle als Kultplatz.

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Lange Tradition von Opferritualen

„Unsere Analysen deuten darauf hin, dass diese Aktivitäten, vielleicht als jährliche Opferrituale, mindestens 60-80 Jahre lang fortgesetzt wurden. Erst die Christianisierung beendete diese Tradition.“, erklärt Smith. „Die in der Höhle zurückgelassenen Objekte deuten darauf hin, dass sie von Mitgliedern der isländischen Elite durchgeführt wurden. Einige dieser Objekte beinhalten Orpiment (ein Arsenerzpigment), das aus der östlichen Türkei kam, und Perlen aus Bagdad.“

Smith sagt, dass diese Arbeit die erste in einer Reihe von Veröffentlichungen über die Höhle und ihre einzigartigen Einblicke in wikingerzeitliche Rituale, Religion und Reaktionen auf katastrophalen Vulkanismus darstellt. Das Surtshellir Archaeological Project hat eine Facebook-Seite für diejenigen, die an Updates interessiert sind, während das Projekt voranschreitet.

Nach Pressemeldung des Haffenreffer Museum of Anthropology.

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