Andenken an Verstorbene wurden bereits vor 2000 Jahren behalten

Eine neue Studie legt nahe, dass die Tradition, alltägliche Gegenstände als Andenken an einen Verstorbenen zu behalten, in der Vorgeschichte genauso üblich war wie heute.

Die Studie der University of York legt nahe, dass Menschen der Eisenzeit alltägliche Gegenstände wie Löffel und Schleifsteine als emotionale Erinnerung und als „fortbestehende Bindung“ an den Verstorbenen aufbewahrten – eine Praxis, die heute in Gesellschaften auf der ganzen Welt nachgeahmt wird. Die Forschung konzentrierte sich auf „problematische Dinge“: alltägliche Gegenstände, die von einer verstorbenen Person benutzt wurden oder ihr gehörten, die die Verwandten vielleicht nicht wiederverwenden wollen, die sie aber nicht einfach wegwerfen können.

In der schottischen Hillfort-Siedlung Broxmouth, die auf die Zeit von 640 v. Chr. bis 210 n. Chr. datiert wird, wurden Alltagsgegenstände wie Steine, die zum Mahlen von Getreide verwendet wurden, und Knochenlöffel zwischen den Mauern des Rundhauses gefunden, die von den Angehörigen dort platziert worden sein könnten, um die Verbindung mit der verstorbenen Person aufrechtzuerhalten.

Fotografie eines bronzezeitlichen Rundhauses in Schottland. Das Fundament und die noch erhaltenen Wände bestehen aus großen grau-weißen Steinen. In den Mauern wurden verschiedene Andenken platziert.
Objekte wie Knochenlöffel, Mahlsteine und Spielsteine wurden in die Wände dieses eisenzeitlichen Rundhauses in Broxmouth im Nordosten Schottlands als Andenken eingearbeitet (Foto: Archiv des Broxmouth-Projekts).

Die Studie verglich dies mit zeitgenössischen Beispielen ähnlichen Verhaltens, wobei das Zurücklassen von Kleidungsstücken der Angehörigen oder abgenutzten Schuhen besonders häufig vorkommt.

Dr. Lindsey Büster von der Abteilung für Archäologie sagte: „Es ist wichtig, die rohe emotionale Kraft zu erkennen, die Alltagsgegenstände zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten haben können. Archäologen haben dazu tendiert, sich auf den hohen materiellen Wert oder die Menge der gefundenen Objekte zu konzentrieren und haben diese als „zur sicheren Aufbewahrung hinterlegt“ oder als „Geschenke an die Götter“ interpretiert. Meine Arbeit nutzt die Archäologie, um Diskussionen über Tod, Sterben und Trauer in der heutigen Gesellschaft zu eröffnen und zu zeigen, dass selbst die banalsten Objekte eine besondere Bedeutung haben können, wenn sie zu greifbaren Erinnerungen an geliebte Menschen werden, die nicht mehr physisch unter uns weilen.“

Die Arbeit zeigt, dass in vielen Gesellschaften Alltagsgegenstände durchaus mit den Toten mit ins Grab gelegt werden konnten. Traditionelle Interpretationen von Grabbeigaben haben diese oft als notwendig angesehen, um die Toten ins Jenseits zu begleiten, aber die einfache Entsorgung von „problematischen Dingen“ – das sind Gegenstände, die von den lebenden Verwandten nicht gebraucht oder gewünscht werden, aber nicht geeignet sind, auf den Müllhaufen geworfen zu werden – ist eine weitere mögliche Erklärung.

Dr. Büster fügte hinzu: „Archäologen neigen dazu, vor der Übertragung moderner Emotionen auf vergangene Gesellschaften zu warnen, aber ich behaupte, dass die Universalität bestimmter Emotionen die Extrapolation moderner Erfahrungen auf die Vergangenheit erlaubt, auch wenn die Spezifika variieren. Ich betrachte die Erfahrung von Trauer und Verlust als eine solche Emotion, auch wenn die Art und Weise, wie diese verarbeitet und gehandhabt wurde, zwischen Individuen und Gesellschaften variiert. Diese Forschung hilft uns, den Menschen der Vergangenheit ein wenig näher zu kommen, deren Erfahrungen mit dem Leben (und dem Tod) sich in mancher Hinsicht nicht so sehr von unseren eigenen unterschieden.“

Nach einer Pressemeldung des Antiquity Journals

Publikation:
Lindsey Büster: ‘Problematic stuff’: death, memory and the interpretation of cached objects

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