Die Suche nach den Megalithgräbern von Wielkopolska

3D-Visualisierung des ersten megalithischen Gräberfeldes, das in Wielkopolska bei Rokietnica entdeckt wurde.
3D-Visualisierung des ersten megalithischen Gräberfeldes, das in Wielkopolska bei Rokietnica entdeckt wurde. © T. Wiktorzak

Archäologen planen, prähistorische Gräber im Westen Polens aufzuspüren. Das Team der Adam-Mickiewicz-Universität in Poznań wird bei seiner Suche nach den so genannten „verlorenen Megalithen von Wielkopolska“ Airborne Laser Scanning, geomagnetische Methoden und Bohrungen einsetzen.

Die ersten monumentalen Megalithgräber wurden 2019 in der Region entdeckt, diese stammten aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend. Die drei Meter hohen, in Form eines länglichen Dreiecks errichteten Strukturen waren von großen Steinblöcken umgeben, welche 6 bis 15 Meter breit und 150 Meter lang waren.

Dr. Danuta Żurkiewicz sagte: „Diese Hügel ragten aus der natürlichen Landschaft heraus und stellten eine Art Markierung dafür dar, dass das Gebiet, in dem sie errichtet wurden, zu einer bestimmten Gruppe gehörte. Sie zeugten auch von einem hohen Maß an Gemeinschaftsorganisation und der Bereitschaft, die mit ihrer Errichtung verbundenen Anstrengungen auf sich zu nehmen.“

Ein Jahr später führten Archäologen Ausgrabungen in begrenztem Umfang durch, die bestätigten, dass die Formen auf den Bildern tatsächlich prähistorische kuyavische Gräber darstellen. Diese Gräber, die nach der Region Kujawien benannt sind, in der die meisten ähnlichen Bauten entdeckt wurden, gehören zu den größten Grabbauten, die in der Vorgeschichte in Polen errichtet wurden. Die kujawischen Gräber waren nicht nur die Begräbnisstätten ausgewählter Vertreter der lokalen Gemeinschaften, sondern auch wichtige Punkte im Zusammenhang mit dem Totenkult. Seit ihrer Entdeckung im Jahr 2019 hat man jedoch nichts mehr von ihnen gehört.

Doch Archäologen glauben, dass es noch mehr gibt. Dr. Żurkiewicz sagte: „Es gibt noch viel mehr solcher Strukturen in Wielkopolska. Wir haben bereits mehrere andere Orte ausgewählt. In naher Zukunft werden wir uns ins Gelände begeben, um zu bestätigen, dass sie tatsächlich vorhanden sind.“ Die Archäologen werden entscheiden, wo sie Untersuchungen durchführen werden, nachdem sie mit Hilfe des ALS mögliche Standorte im Einzugsgebiet des Flusses Warta ausgewählt haben. Sie werden auch die Umgebung der Gräber untersuchen und prüfen, inwieweit die Menschen, die zur Zeit der Errichtung der Gräber lebten, die Umgebung beeinflusst haben.

Zu diesem Zweck werden sie den Pollengehalt von Proben aus Tiefenbohrungen analysieren, der Aufschluss darüber gibt, welche Pflanzen zu dieser Zeit wuchsen und welche im Laufe der Zeit seltener wurden. So können sie herausfinden, in welchem Umfang Wälder gerodet und Ackerflächen angelegt wurden. Außerdem wollen sie das Siedlungsnetz der Grabbauer untersuchen, die sie als die Gemeinschaft der Trichterbecherkultur definieren.

Nach einer Pressemitteilung von Science in Poland.

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