Untersuchung eines neolithischen Siedlungsplatzes

Fundplatz eines Siedlungsplatzes bei Waabs
Der Fundplatz des Siedlungsplatzes liegt in der Nähe des Langbettes von Karlsminde. © ALSH

Eine kleine Ausgrabung fand in Waabs im Kreis Rendsburg-Eckernförde statt

Unweit des Megalithgrabes von Karlsminde wurde im Herbst 2020 ein bereits bekannter neolithischer Siedlungsplatz im Rahmen einer kleinen Ausgrabung untersucht. Da auf dem Fundplatz Drainagegräben gezogen wurden, bot sich die Möglichkeit, die Stratigraphie des Platzes auf einer Länge von 10 Metern zu dokumentieren.

Der untersuchte Drainagegraben verlief entlang einer nach Westen hin abfallenden Senke. Seine Sohle aus anstehendem Lehm befindet sich im untersuchten Schnitt bis zu 2,60 m unterhalb der heutigen Oberfläche. Oberhalb des Lehms bildete sich in einem ehemaligen flachen Gewässer eine ca. 0,50 m mächtige Schicht aus Torf mit Wurzeln, Blättern, Ästen und Haselnüssen. Im oberen Bereich dieser Schicht befindet sich eine neolithische Abfallzone, in der die neolithischen Artefakte vorwiegend waagerecht lagen. Oberhalb des Torfes bildete sich ein aus dem Umfeld der Niederung heraberodiertes Kolluvium aus grauem Feinsand, vermischt mit regellos eingelagerten neolithischen Artefakten. Oberhalb dieses Kolluviums befand sich ein eisenzeitlicher Fundhorizont.

Die größte Fundgruppe der Ausgrabung bilden die unretuschierten Abschläge, welche im oberen Bereich der Torfschicht zum Teil in Konzentrationen auftraten. Daneben kommen zahlreiche Kernsteine und einige Schaber vor. Sämtliche Beilabschläge, bei denen die ehemaligen Schmalseiten der Beile erkennbar sind, stammen von allseitig geschliffenen dünnnackigen Beilen. Da die Torfschicht hervorragende Erhaltungsbedingungen für organisches Material bot, haben sich in ihr neben zahlreichen Knochen- und Geweihabfällen, u. a. mit Bearbeitungsspuren, auch Pfrieme und Meißel aus Knochen erhalten. Das einzige während der Ausgrabung gefundene Artefakt aus Felsgestein ist das Schneidenfragment einer im Schaftloch gebrochenen Axt, in welche sekundär beidseitig Vertiefungen hineingepickt wurden. Während der Ausgrabung wurden ca. 200 Scherben geborgen. Die Keramik aus der torfigen Schicht ist überwiegend dunkel und besitzt frisch anmutende Bruchkanten, wohingegen die Keramik aus dem darüber befindlichen Kolluvium meist heller, härter und an den Bruchkanten abgerundeter ist.

Palynologische Untersuchungen von Proben aus der Oberkante der Torfschicht weisen auf Siedlungsaktivitäten wie Getreideanbau und Gewässerverunreinigung mit Fäkalien hin, wohingegen das darüber befindliche Kolluvium nur wenige Pollen enthält, was für eine rasche Ablagerung der Schicht spricht.

Der überwiegende Teil der verzierten Keramik scheint den Stufen Fuchsberg und Troldebjerg anzugehören und belegt eine Hauptaktivität im Umfeld der Senke innerhalb eines zeitlich relativ engen Rahmens am Übergang vom Früh- zum Mittelneolithikum, in welchem auch das benachbarte Langbett errichtet wurde.

Nach Pressemitteilung des Archäologischen Landesamts Schleswig-Holstein

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