Bayern: Neuer keltischer Tempelbezirk

Im Bereich einer spätlatènezeitlichen Siedlungsstelle nahe Ippesheim-Herrnberchtheim im Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim konnte ein exzeptioneller Komplex von Befunden angetroffen werden. Entdeckt wurden der Ausschnitt eines Kreisgrabens mit Durchlass, ein Rundtempel, dessen südöstliche Hälfte bislang noch nicht ausgegraben ist, sowie ein großer quadratischer Bau auf neun Pfosten.

Ippesheim-Herrnberchtheim, Bayern. Im Zentrum ein Bau mit neun massiven Pfosten, am unteren Rand der spätkeltische Rundtempel.
Ippesheim-Herrnberchtheim. Im Zentrum ein Bau mit neun massiven Pfosten, am unteren Rand der spätkeltische Rundtempel.

Der Kreisgraben, der sich in geringer Entfernung zu einer bekannten mittelneolithi­schen Anlage in Ippesheim befindet, entzieht sich bisher einer genaueren Interpretation. Die nur spärlich angetroffenen Funde im gut erhaltenen Graben deuten auf eine Anlage der Hallstattzeit hin. Der Rundtempel datiert in spätkeltische Zeit. Regelmäßig angeordnete Pfosten formen einen Kreis von etwa 18 m Durchmesser. Eine Lücke im Norden markiert dabei einen Eingangsbereich. Im Inneren des Rundtempels wurden bislang keine weiteren Strukturen entdeckt, aller­dings befindet sich der zentrale Bereich knapp außerhalb der Grabungsgrenze. Dieses Bauwerk lässt sich mit den Befunden aus dem Tempelbezirk des Oppidums von Manching vergleichen. In seiner Regelmäßigkeit übertrifft es aber sowohl Manching als auch zwei in Greding-Großhöbing entdeckte spätkeltische Rundbauten. Der neue Befund ist damit erst die vierte Anlage dieser Art in Süddeutschland. Der nördlich benachbarte quadratische Bau ist für die spätkeltische Zeit ungewöhnlich, passt aber gerade als massives Sondergebäude gut in den Tempelbezirk.

| D. Förster, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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