Irlands älteste Schreibfeder in Caherconnell entdeckt

Die jüngsten archäologischen Ausgrabungen in Caherconnell Cashel haben die älteste bekannte Schreibfeder Irlands ans Licht gebracht. Das Cashel, eine im späten 10. Jahrhundert errichtete und bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts durchgehend genutzte Siedlung, war die Heimat wohlhabender lokaler Herrscher. Ihr Reichtum beruhte auf einer erfolgreichen Landwirtschaft, die es ihnen ermöglichte, sich mit Kunsthandwerk, militärischen Aktivitäten, Handel, Spielen, Musik und, wie es scheint, auch mit Lesen und Schreiben zu beschäftigen.

Die Feder besteht aus einem hohlen Knochenrohr, in das an einem Ende eine Feder aus Kupferlegierung eingesetzt ist. Sie wurde in einer Schicht aus dem 11. Jahrhundert im Inneren des Cashel gefunden und erregte bei ihrer Entdeckung großes Aufsehen. Zuvor war kein Tintenschreiber dieser Form oder dieses frühen Datums gefunden worden, und die meisten Belege für die frühe Alphabetisierung in Irland werden mit der Kirche und nicht mit der weltlichen Gesellschaft in Verbindung gebracht. Diese Gründe mahnten zur Vorsicht und führten dazu, dass eine Nachbildung angefertigt wurde, um zu testen, ob sie als Schreibgerät funktionierte oder nicht. Adam Parsons von Blueaxe Reproductions fertigte die Nachbildung an, die, wie Tests bestätigten, perfekt als Tauchfeder funktioniert. Es scheint also, dass dies tatsächlich der früheste bekannte Tintenschreiber in Irland ist.

Federkiele waren zu dieser Zeit das üblichere Schreibgerät, aber eine Feder wie die aus Caherconnell wäre ideal für feine Arbeiten geeignet gewesen – vielleicht sogar für das Zeichnen feiner Linien, wie der Kalligraphie-Experte und Historiker Tim O’Neill meint: „Eine Metallfeder aus einer so frühen Zeit ist immer noch schwer zu glauben! Aber die Tatsache, dass sie mit Tinte funktioniert, ist nicht zu übersehen. Sie wäre gut geeignet gewesen, um gerade Linien zu ziehen, um zum Beispiel einen Rahmen für eine Seite zu bilden. Während kirchliche Schreiber alle möglichen kirchlichen Texte kopierten und anfertigten, ist es wahrscheinlich, dass ein weltlicher Schreiber eine solche Feder benutzte, um Familienlinien und/oder Handelsbeziehungen aufzuzeichnen.

Alles in allem ein aufregender Fund, der die Geschichte der Alphabetisierung in Irland erweitert, und eine höchst angemessene Entdeckung für einen Archäologen an einer Universität.

„Das Caherconnell Archaeology Projekt war ein äußerst lohnendes Projekt mit vielen unerwarteten und aufregenden Entdeckungen auf dem Weg. Dieser Fund hat jedoch alle Erwartungen übertroffen, da er die verlockende Aussicht auf eine fortgeschrittene weltliche Alphabetisierung im Irland des 11. Jahrhunderts eröffnet.“ – Michelle Comber

Ein ausführlicher Bericht über die Entdeckung ist in der Winterausgabe 2021 (Band 35, Nr. 4) der Zeitschrift Archaeology Ireland zu finden.

Nach einer Pressemeldung der NUI Galway.

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