Komet zerstörte die Hopewell-Kultur

Anthropologe Kenneth Tankersley mit indianischen Steinwerkzeugen.
Anthropologe Kenneth Tankersley mit indianischen Steinwerkzeugen. Foto: Michael Miller.

Der plötzliche Niedergang der indianischen Hopewell-Kultur im östlichen Teil der heutigen Vereinigten Staaten vor etwa 1 500 Jahren könnte auf den Einschlag eines erdnahen Kometen zurückzuführen sein, der eine verheerende Explosion auslöste und sowohl Wälder als auch die Dörfer der amerikanischen Ureinwohner verwüstete. Forscher der University of Cincinnati (UC) fanden Hinweise auf einen kosmischen Lufteinschlag an elf archäologischen Stätten der Hopewell-Kultur in drei Bundesstaaten, die sich über das Tal des Ohio River erstrecken. Diese Region war die Heimat der Ohio-Hopewell, einer hochentwickelten Kultur der amerikanischen Ureinwohner, deren Blütezeit in die Jahrhunderte um Christi Geburt fällt.

Teile des vorbeifliegenden Kometen regneten anscheinend in Trümmern in die Erdatmosphäre und verursachten eine Explosion. Die Archäologen der UC verwendeten die Radiokohlenstoffmethode und typologische Datierungen der archäologischen Funde, um den Zeitpunkt des zerstörerischen Ereignisses zu bestimmen. Die Explosion betraf ein Gebiet, das größer als der Bundesstaat New Jersey war, und scheint irgendwann zwischen 252 und 383 n. Chr. Brände auf einer Fläche von 9.200 Quadratmeilen ausgelöst zu haben. Dieses Ereignis fällt in einen Zeitraum, in dem chinesische Astronomen insgesamt 69 erdnahe Kometen beobacheten. Auch aus mündlichen Überlieferungen der amerikanischen Ureinwohner sind diese Naturereignisse überliefert.

Mikrometeoriten an Fundplätzen der Hopewell-Kultur nachgewiesen

Die Archäologen fanden an den Hopewell-Fundplätzen eine ungewöhnlich hohe Konzentration und Vielfalt von Meteoriten im Vergleich zu archäologischen Stätten aus anderen Zeiträumen. Die Meteoritenfragmente wurden anhand einer charakteristischen Konzentration von Iridium und Platin identifiziert, die sie enthielten. Außerdem fand sich bei den Ausgrabungen jeweils eine Holzkohleschicht, die darauf hindeutet, dass das Gebiet Feuer und extremer Hitze ausgesetzt war.

Hauptautor der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Scientific Reports veröffentlicht wurde, ist der Anthropologieprofessor Kenneth Tankersley, selbst Angehöriger der amerikanischen Natureinwohner. Er erklärt das Vorgehen bei der naturwissenschaftlichen Analyse: „Diese Mikrometeoriten haben einen chemischen Fingerabdruck. Kosmische Ereignisse wie Asteroiden und Kometeneinschläge hinterlassen große Mengen eines seltenen Elements, das als Platin bekannt ist. Das Problem ist, dass Platin auch in Vulkanausbrüchen vorkommt. Deshalb haben wir zudem nach einem anderen seltenen Element gesucht, das bei nicht-terrestrischen Ereignissen wie Meteoriteneinschlägen vorkommt – Iridium. Und wir fanden Spitzenwerte beider Elemente, Iridium und Platin“. Die Angehörigen der Hopewell-Kultur selbst sammelten bereits die Meteoriten und schmiedeten das darin enthaltene Metall zu flachen Platten, die für Schmuck und Musikinstrumente verwendet wurden.

Forscher der University of Cincinnati nehmen Sedimentproben an einer Hopewell-Stätte am Zusammenfluss von Ohio und Great Miami River.
Forscher der University of Cincinnati nehmen Sedimentproben an einem Fundplatz der Hopewell-Kultur am Zusammenfluss von Ohio und Great Miami River. Foto: Larry Sandman.

Auch indianische Überlieferungen sprechen für ein einschneidendes Ereignis

Neben diesen naturwissenschaftlichen Belegen für die Auswirkungen der kosmischen Ereignisse gibt es auch kulturelle Hinweise, die in den Kunstwerken und mündlichen Überlieferungen der Hopewell hinterlassen wurden. So wurde in der Nähe des Epizentrums des Kometeneinschlags an einer Hopewell-Stätte namens Milford Earthworks ein kometenförmiger Hügel errichtet. Verschiedene Algonquin- und Irokesenstämme, Nachfahren der Hopewell, sprachen zudem von einem Unglück, das die Erde heimsuchte, so Tankersley: „Faszinierend ist, dass viele verschiedene Stämme ähnliche Geschichten über dieses Ereignis haben. Die Miami erzählen von einer gehörnten Schlange, die über den Himmel flog und Felsen auf das Land fallen ließ, bevor sie in den Fluss stürzte. Wenn man einen Kometen durch die Luft fliegen sieht, sieht er aus wie eine große Schlange. Die Shawnee sprechen von einem ‚Himmelspanther‘, der die Macht hatte, Wälder zu fällen. Die Ottawa sprechen von einem Tag, an dem die Sonne vom Himmel fiel.“

Erzählungen der Wyandot wiederum berichten von einer dunklen Wolke, die über den Himmel rollte und von einem feurigen Pfeil zerstört wurde. „Das ähnelt sehr der Beschreibung, die die Russen für Tunguska gegeben haben“, erklärt Tankersley über einen Kometeneinschlag, der 1908 über Sibirien dokumentiert wurde. Bei diesem neuzeitlichen Ereignis wurden 830 Quadratmeilen Wald zerstört. „Zeugen berichteten, sie hätten einen Feuerball gesehen, ein bläuliches Licht, das fast so hell wie die Sonne war und sich über den Himmel bewegte. Ihm folgten ein Blitz und ein Geräusch wie bei Artilleriefeuer. Eine gewaltige Schockwelle zerbrach Fensterscheiben in Hunderten von Kilometern Entfernung und riss Menschen von den Füßen“, heißt es in einem Bericht von EarthSky.

Der UC-Biologieprofessor und Mitautor David Lentz betont, dass die indianischen Ureinwohner, die den vernichtenden Kometeneinschlag und die damit verbundenen Brände überlebten, auf eine verwüstete Landschaft blickten: „Es sieht so aus, als hätte dieses Ereignis der Landwirtschaft sehr geschadet. Die Menschen hatten damals keine guten Möglichkeiten, Mais über einen längeren Zeitraum zu lagern. Der Verlust von ein oder zwei Ernten hätte großes Leid verursacht.“ Und wenn der Luftangriff wie in Russland die Wälder vernichtete, verloren die Einheimischen darüber hinaus Nussbäume wie Walnuss und Hickory, die eine gute Nahrungsquelle für den Winter darstellen. „Wenn die Maisernte ausfällt, kann man sich normalerweise auf die Bäume verlassen. Aber wenn sie alle zerstört werden, wäre das eine unglaubliche Katastrophe“, so Lentz.

Bei weitem nicht alle Fragen geklärt

Winzige Mikrometeoriten aus Sedimenten einer Hopewell-Fundstelle werden durch einen Magneten angezogen.
Winzige Mikrometeoriten aus Sedimenten einer Fundstelle der Hopewell-Kultur werden durch einen Magneten angezogen. Foto: Michael Miller.

Das Advanced Materials Characterization Center der UC führte Rasterelektronenmikroskopie und Energiedispersionsspektrometrie an den Sedimentproben durch. Die Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma wurde im Zentrum für angewandte Isotopenstudien der University of Georgia durchgeführt. Der U.S. Geological Survey stellte die Analyse stabiler Kohlenstoffisotope zur Verfügung. Trotz dieser Untersuchungen sind viele Fragen noch offen, erklärt Lentz: „Es ist schwer zu sagen, was genau passiert ist. Wir haben nur ein paar Lichtpunkte in der Dunkelheit“, sagte er. Fest stehe aber, dass ein größeres Gebiet durch das nachgewiesene Naturereignis einer extremen Hitze ausgesetzt war, die für die Menschen in diesem Areal und darüber hinaus katastrophal gewesen sein muss.

Jetzt untersuchen die Forscher Pollen, die in Sedimentschichten eingeschlossen sind, um herauszufinden, wie der Kometeneinschlag die Flora des Ohio-Tals verändert haben könnte. Mitautor Steven Meyers erklärt, dass ihre Entdeckung zu einem größeren Interesse daran führen könnte, wie kosmische Ereignisse prähistorische Menschen auf der ganzen Welt beeinflusst haben. „Wissenschaft ist nur ein Fortschrittsbericht“, sagte Meyers. „Sie ist nicht das Ende. Wir befinden uns stets irgendwo in der Mitte. Mit der Zeit werden wir immer mehr Dinge finden“.

Nach Pressemitteilung der University of Cincinnati

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