„Google für Archäologen“ entwickelt

Eine unglaubliche Menge an archäologischen Berichten ist in digitalen Archiven gespeichert. Wenn man in diesen Archiven nach Informationen suchen will, muss man dies manuell tun. Und das ist wirklich mühsam, selbst mit herkömmlichen Suchmaschinen wie Google. Der Archäologe Alex Brandsen hat nun mit Hilfe von Deep Learning, einer Form der künstlichen Intelligenz, eine Suchmaschine entwickelt, die all diese Daten sehr präzise durchsuchen kann. Die Forschungen waren Teil seiner Doktorarbeit, die er am 15. Februar verteidigte.

Riesige Datenmengen

Archäologen sind oft auf der Suche nach ganz bestimmten Informationen in einer riesigen Menge von Daten, die in Archiven vorhanden sind. Die derzeitige Suchmaschine kann jedoch nur nach allgemeinen Schlüsselwörtern und den Titeln von PDF-Dokumenten suchen, z. B. „Mittelalter“ und „Töpferei“. Brandsen erklärt: „Wenn man nach Äxten aus dem Mittelalter sucht, muss man jetzt alles über das Mittelalter herunterladen und manuell suchen.“

Insbesondere seit dem Vertrag von Valetta (1992) haben Archäologen eine enorme Menge an Berichten erstellt. Dieser Vertrag regelte europaweit den Umgang mit dem archäologischen Erbe. Er beinhaltet die verbindliche Regelung, dass man, wenn man irgendwo mit Bauarbeiten beginnen will, zuerst prüfen muss, ob sich archäologisches Erbe im Boden befindet. Dies hat dazu geführt, dass allein in den Niederlanden jedes Jahr Tausende von Berichten erstellt werden.

Deep Learning

Brandsen setzte Deep Learning ein, um eine intelligente Suchmaschine zu entwickeln, eine Art Google für Archäologen. Er trainierte ein Sprachmodell, um Wörter in archäologischen Berichten zu erkennen. Es war wichtig, dass das Modell auch Synonyme erkennen und zwischen verschiedenen Bedeutungen eines Wortes unterscheiden kann. Brandsen erläutert: „Das Wort bijl [niederländisch für Axt, Anm. d. Red.] kann sich auf ein Artefakt beziehen, mit dem man Dinge zerhacken kann, aber es kann auch ein Nachname sein. Wenn Sie jetzt nach dem Artefakt bijl suchen, werden Sie nur das finden und keinen Herrn Bijls mehr. Es ist auch möglich, die Suche geographisch zu filtern. Dann werden nur Informationen über ein vom Benutzer angegebenes Gebiet abgerufen.“

Karte der Niederlande mit den bereits in der Forschung zusammengestellten Brandbestattungen des frühen Mittelalters (rote Kreise) und den dank AGNES gefundenen entsprechenden Befunden (blaue Quadrate). Gelbe Rauten kennzeichnen frühmittelalterliche Stätten.
Karte der Niederlande mit den bereits in der Forschung zusammengestellten Brandbestattungen des frühen Mittelalters (rote Kreise) und den dank AGNES gefundenen entsprechenden Befunden (blaue Quadrate). Gelbe Rauten kennzeichnen frühmittelalterliche Stätten. Grafik: Universität Leiden.

Erste Erfolge und weitere Pläne

Brandsen und ein Kollege testeten die Suchmaschine AGNES. „Mein Kollege hatte von einem Experten für das frühe Mittelalter in den Niederlanden eine Datenbank mit Brandgräbern erhalten. Dieser Professor hat sein ganzes Leben damit verbracht, die Daten zu sammeln. Aber mit der Suchmaschine fanden wir 30 Prozent mehr Einäscherungen aus dem Frühmittelalter. Sie sehen also, dass selbst ein Experte nicht alles weiß, weil es so viele Daten gibt.“

Eine grobe Version von AGNES ist jetzt online und kann Suchvorgänge mit einer Genauigkeit von etwa 80 Prozent durchführen. Als Postdoc wird Brandsen die Suchmaschine noch genauer machen und sie erweitern, indem er auch die Suche in anderen Sprachen ermöglicht.

Nach Pressemitteilung der Universität Leiden

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