Spektakulärer Grabfund auf der dänischen Insel Seeland

Im Grab von Majkildegård gefundener Kamm
Im Grab von Majkildegård gefundener Kamm aus Knochen mit kreisförmigen Ornamenten

Im Frühjahr 2021 führte das Museum Sydøstdanmark auf einem 20 ha großen Gebiet bei Holsted im Süden der dänischen Insel Seeland archäologische Untersuchungen durch. Dies führte zu einer systematischen Ausgrabung mehrerer kleinerer Grabungsabschnitte mit einem Kochgrubenfeld und dreischiffigen Häusern sowie einem Feld mit mehreren möglichen Gräbern. Das Gebiet ist hügelig und von Erosion geprägt. Der Unterboden ist sehr steinig. Im Allgemeinen waren die Stätten eher schlecht erhalten, mit wenig Mutterboden auf dem Hügel. Mit großer Spannung begannen die Archäologen daher im August 2021 mit der Ausgrabung des möglichen Grabes.

Im Vorfeld wurde beschlossen, das Grab mithilfe der Photogrammetrie zu erfassen, aber um die Form der ursprünglichen Bestattung zu dokumentieren, wurde auch beschlossen, einen Balken in der Mitte des Grabes zu belassen. Es wurde schnell klar, dass der Aushub nicht sehr tief war. Am oberen Ende des Grabes wurde der Rand eines Keramikgefäßes entdeckt. Als Beleg einer Bestattung im Grab kam schnell die Spitze eines Schädels zum Vorschein.

Cover der AiD 1/22 "Neanderthaler des Nordens"

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Der frühmittelalterliche Goldschatz von Vindelev

Ende 2020 wurde einer der größten Goldschätze Skandinaviens in der Nähe von Jelling auf Jütland gefunden. Jelling wurde etwa um 800 n.Chr. dänische Königsresidenz. Der fast 1 kg schwere Schatz ist jedoch über 200 Jahre älter: Er stammt aus der Zeit ab 530. Auf Münzen und Medaillons finden sich Darstellungen von Göttern und Helden – ein früher Einblick in die nordische Mythologie und Grundlage für den Pantheon der Wikingerzeit.

Bestattungstraditionen der römischen Eisenzeit auf Seeland

Der südliche Teil des Grabes wurde zuerst freigelegt. Hier wurde der obere Teil eines Skeletts mit Schädel und Brustkorb freigelegt. Um den Hals befanden sich 47 Bernsteinperlen und eine Bronzespange. Die Bernsteinperlen waren berlockförmig, scheibenförmig und traditionell abgerundet. An jeder Schulter befand sich eine bronzene Fibel. Nördlich des Schädels befanden sich zwei verzierte Tongefäße und daneben ein verzierter Knochenkamm. 

Die Art der Grabbeigaben deutete auf einen weiblichen Bestatteten. Anhand der Abnutzung der Zähne wird geschätzt, dass sie zum Zeitpunkt ihres Ablebens etwa 40 Jahre alt war. An mehreren Zähnen ließ sich zudem fortgeschrittene Karies erkennen.

Als der Rest des Grabes ausgegraben wurde, stellte sich heraus, dass sie nicht in einem Sarg beerdigt worden war. Vielmehr legt die Position der Beine und Füße die Vermutung einer Beisetzung in einem Tuch oder einener Tierhaut nahe. Auf ihrer Hüfte lag ein größerer Feuerstein. Es ist nicht bekannt, ob dies absichtlich zum Zeitpunkt der Beerdigung angebracht wurde, vielleicht als Befestigung eines Tuches. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass er sich dort durch Zufall befindet. Zu ihren Füßen befanden sich Spuren von einem großen Stein. Auch hier ist unklar, ob es sich um einen Zufall oder um einen Teil des Bestattungsrituals handelt.

Die weitere Untersuchung und Konservierung der Grabbeigaben hat gerade erst begonnen, aber durch den Vergleich von Fasern und Bernsteinperlen mit ähnlichen Gräbern im Süden der größten dänischen Osteeinsel Seeland sind die Archäologen zu einem vorläufigen Datum von 250-270 n.Chr. gelangt.

Die Herkunft der Frau

Aber wo wohnte die Frau von Majkildegård? Es gibt Häuser aus der Eisenzeit, die gleichmäßig über das Gebiet verteilt sind. Ein Gehöft befindet sich kaum 75 Meter südwestlich des Grabes weiter unten auf dem Hügel. Hier befand sich ein Haupthaus von mindestens 28 Metern Länge gemeinsam mit einem kleineren Nebengebäude. Eine mögliche typologische Datierung des Haupthauses in den Übergang zur späten römischen Eisenzeit macht zumindest eine zeitliche Nähe wahrscheinlich. Vorerst müssen wir jedoch die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen und der 14C-Datierung abwarten, bevor wir eine genauere Aussage über die mögliche Herkunft der Frau treffen können. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, gab es in der Nähe des Frauengrabs mehrere mögliche Gräberstellen. Diese waren jedoch leer, obwohl ihre äußere Ausgestaltungen sehr ausgeprägt waren. Sie waren wie das Grab der weiblichen Person nicht sehr tief und die allgemein schlechten Erhaltungsbedingungen auf Seeland könnten dazu geführt haben, dass in den Gräbern befindliches Material wie Knochen und Keramik zerfallen ist.

| Dorte Katrine Malling, Henrik Høier und Toke Hal Bjørn Hansen, Museum Sydøstdanmark

Mit Dank an Bjarne Purup (Møn) für die Vermittlung

Alle Abbildungen mit freundlicher Genehmigung des Museums Sydøstdanmark

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