Pygmäen in Ägypten?

Dieses reich illustrierte großformatige Buch ist mehr als ein schöner Bildband. Schon der Titel, der die Frage stellt, ob es in Ägypten wirklich Pygmäen gab, macht deutlich, dass es sich um ein eher wissenschaftliches Werk handelt.

Normalerweise wird davon ausgegangen, dass Pygmäen in der Antike in Ägypten lebten und dass sie immer in Landschaftsdarstellungen des Nils abgebildet werden. Strocka weist jedoch bereits im ersten Kapitel des Buches nach, dass dies eine große Fehlinterpretation ist. Zwar sind die Pygmäen in der Mythologie durch ihren Kampf mit den Kranichen bekannt, der in Buch 2 von Homers Illias (II. 3. 3–6) beschrieben wird, aber Strocka zeigt anhand der antiken schriftlichen Quellen und der Kunst, dass wir es, wenn wir keine Zwerge im direkten Kampf gegen große Wasservögel (Kraniche) sehen, eher mit Aaszwergen und nicht mit Pygmäen zu tun haben. Strocka untersucht die Rolle der Aaszwerge in Landschaftsszenen und die Assoziationen, die sie beim antiken Betrachter hervorgerufen haben.

Der zweite Teil des Buches befasst sich mit der Vorliebe der Römer für bevölkerte Landschaftsdarstellungen des Nils, der sogenannten Egyptmania. Römische Wandmalereien mit ägyptischen Motiven, Bronzestatuetten und Terrakottafiguren werden im Laufe der Zeit betrachtet, und die symbolische Bedeutung des Nils wird interpretiert.

Dieses wunderschön illustrierte Buch ist allen Liebhabern antiker Kunst sehr zu empfehlen. 

| Jesper Tae Jensen

Produktdetails

Pygmäen in Äygpten? Die Widerlegung eines alten Irrtums. Bevölkerte Nillandschaften in der antiken Kunst

Volker Michael Strocka
Darmstadt: wbg Philipp von Zabern 2021, 168 S., 140 Abb., 50 Euro
Bestellung direkt bei der wbg möglich. Zum wbg Shop.

Antike Welt 8.20 Ägypten
Antike Welt 8.20 Ägypten

Das könnte Sie auch interessieren!

ANTIKE WELT 8.20 — Häuser für die Ewigkeit

Im altägyptischen Leben spielte die Auseinandersetzung mit dem Tod eine große Rolle und war immer und überall präsent. Dem lag jedoch keineswegs eine morbide Faszination für das Sterben zugrunde. Die alten Ägypter waren ganz im Gegenteil an der Natur des Todes als Übergangsstadium von einem Zustand des Lebens in einen anderen interessiert, d. h. an dem Übergang vom Diesseits ins Jenseits. Ihre damit verbundenen mythologischen Konzepte, präsentieren sich besonders eindrucksvoll in der altägyptischen Grabdekoration und -architektur , den Häusern für die Ewigkeit.