Germanenideologie – einer völkischen Weltanschauung auf der Spur

Germanenideologie Cover

Dass sich in der AiD die Besprechung einer Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) findet, welche sich bei der Fülle drängender Themen der »Germanenideologie« widmet, verdeutlicht die Verantwortung von Archäologen und Historikern, einer irre­gulären historischen Vereinnahmung und den Verkündern alternativer Fakten entgegenzutreten. Martin Langebach, Referent im Fachbereich »Extremismus« der BpB:, hat hierfür ein einschlägiges Autorenteam gebildet.

Im ersten Beitrag »Caesar hat die Germanen erfunden – oder doch nicht?« liefert Althistoriker Mischa Meier die altertumswissenschaftlichen Grundlagen. Aus Sicht des Rezensenten fokussiert er zu einseitig auf antike Quellen und schließt neue Forschungen und Erkenntnisse zur »Germanenarchäologie« weitgehend aus. Mit dem Beginn einer »Germanenideologie« seit dem 19.Jh. und ihrer Wirkung auf die Völkische Bewegung, die letztlich in die NS-Ideologie mündete, befassen sich die Historiker Ingo Wiwjorra und Uwe Puschner. Die Rolle der Germanen im nationalsozialistischen Alltag und in der Fachwissenschaft beleuchtet anschließend Uta Halle. Zwei Beiträge von Miriam Sénécheau, Karl Banghard und Jan Raabe führen in die Gegenwart. Sie sind aus Sicht des Rezensenten überaus wichtig, schließen doch üblicherweise Rezeptionsarbeiten zu den Germanen mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab.
Ein Fazit ist schnell gezogen: Die Publikation füllt nicht nur eine gesellschaftspolitische Lücke; sie gehört auch in jede archäologische und historische Fachbibliothek.

| Jürgen Kunow

Produktdetails

Germanenideologie – einer völkischen Weltanschauung auf der Spur

Martin Langebach (Hrsg.)
Berlin: Rowohlt – Berlin Verlag 2021, 510 S., zahlr. s/w Abb. 26 Euro

Cover_AiD_520 Titelthema Germanen

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»Germanen«

In der Vergangenheit vielfach bemüht und gnadenlos für politische Zwecke instrumentalisiert – Germanen sind kein leichtes Thema. Umso verdiestvoller ist die hartnäckige Arbeit der Archäologen: Sie füllen den Begriff auf dem Boden der wissenschaftlichen Tatsachen mit nemen Leben.