Hybrides Megalithgrab in Nordrhein-Westfalen

Beckum-Dalmer. Hell weißlich leuchtende Steine einer Kalksteinüberdeckung im Eingangsbereich des Megalithgrabs.
Beckum-Dalmer. Hell weißlich leuchtende Steine einer Kalksteinüberdeckung im Eingangsbereich des Megalithgrabs. Foto: Altertumskommission für Westfalen/L. Klinke

Im Rahmen des Projekts »Megalithik in Westfalen« führte die Altertumskommission für Westfalen gemeinsam mit der LWL-Archäologie für Westfalen minimal­invasive Ausgrabungen am spätneolithischen Megalithgrab Beckum II durch. Das Grab gehört zur sogenannten Beckumer Gruppe, für die seit Langem eine Art Hybridstellung zwischen der Trichterbecherkultur im Norden und der Wartbergkultur im Süden postuliert wurde. Konkrete Beweise hierfür fehlten jedoch bislang. Die neuen Grabungen konnten nun Belege zur Bestätigung dieser These erbringen.

Das Megalithgrab Beckum II verweist mit seiner Architektur aus Findlingen einerseits in den Kontext der Trichterbecherkultur, andererseits war die Grabkammer ursprünglich im Erdboden eingetieft, wie es für die Wartbergkultur ­regelhaft nachgewiesen ist. Da eine Umfassung kleinerer Findlinge, wie für die Grabanlagen der Trichterbecherkultur ­üblich, nachweislich fehlte, muss der Erdhügel direkt auf dem Erdboden aufgeschüttet worden sein. Durch diese für die Wartbergkultur typische Architektur zeichneten sich die eingetieften und flach überhügelten Gräber wahrscheinlich kaum im übrigen Landschaftsrelief ab.

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In diesem Kontext ist der Grabungsbefund einer durchgehenden weißen Kalksteinbedeckung im Eingangsbereich bemerkenswert. Die hellen Kalksteine markierten den Hügel der Eingangsseite und hoben damit das Megalithgrab aus der umgebenden Landschaft deutlich hervor, was wiederum auf die auffällige Megalitharchitektur der Trichterbecherkultur verweist. Somit finden sich zahlreiche gesicherte architektonische Hinweise auf eine Hybridstellung der Beckumer Gruppe, die möglicherweise mittels künftiger aDNA-Untersuchungen aus den neu geborgenen menschlichen Knochen zusätzlich überprüft werden können. Aus dem spärlichen Keramikfundbild der jüngsten Ausgrabung ist archäologisch eine stärkere Orientierung der Beckumer Gruppe an die Wartbergkultur zu postulieren.

| L. Klinke, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland

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