Modernste Wissenschaft enthüllt weitere Geheimnisse des Wracks der Gribshunden

Foto: Brett Seymour.

Neue Ausgrabungen haben der Gribshunden, dem Flaggschiff des dänisch-norwegischen Königs Johann I., das 1495 vor der schwedischen Küste von Ronneby auf mysteriöse Weise sank, weitere Geheimnisse entlockt. Das Wrack ist von internationaler Bedeutung, da es das weltweit am besten erhaltene Schiff aus dem Zeitalter der Entdeckungen ist – stellvertretend für die Schiffe von Christoph Kolumbus und Vasco da Gama.  Im August und September grub ein wissenschaftliches Team der Universität Lund, des Blekinge-Museums und des dänischen Wikingerschiffsmuseums Teile des Wracks aus. Zu den geborgenen Artefakten gehören Artilleriegeschütze, Handfeuerwaffen und wichtige Teile der Ruderanlage und der Heckburg.  3D-Modelle der wichtigsten strukturellen Komponenten haben die ersten digitalen Rekonstruktionen des Schiffes ermöglicht.

„Kein anderes Schiff aus der Zeit der Entdeckungen hat so intakt überlebt“, sagt der wissenschaftliche Leiter Brendan Foley von der Universität Lund. „Gribshunden liefert neue Einblicke in diese Fahrten. Wir verstehen jetzt die tatsächliche Größe und den Aufbau dieser Schiffe, die die Welt verändert haben. Außerdem können wir erahnen, wie dieses Schiff als schwimmendes Schloss von König Johann funktionierte.“

Paola Derudas, Doktorandin an der Universität Lund, und Mikkel Thomsen, Spezialist im Wikingerschiffsmuseum, kombinierten 3D-Modelle der Artillerie, des Ruders, der Pinne und des Kiels, um die Heckburg nachzubauen. Dies ist der Teil des Schiffes, in dem sich neben den Kanonieren und Steuerleuten wahrscheinlich auch der König und die Adligen aufhielten. Vergleiche dieses eng begrenzten Bereichs mit mittelalterlichen Burgen an Land legen nahe, dass die hierarchische Raumaufteilung gelockert war, während der König auf See war.

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Im Bug des Schiffes geben 3D-Modelle des Vorstevens und der Klüsen (durch die die Ankerleinen liefen) Aufschluss über die Funktionen des Vorschiffs: Unterbringung der Besatzung, Handhabung des Schiffs und Befestigung. Seltsamerweise wurde dort keine Artillerie gefunden. Wurde sie nach 1495 geborgen, oder waren die Schiffsgeschütze nur in der hinteren Hälfte des Schiffes angebracht?

König Johanns Ziel war es, den gesamten nordischen Raum unter seiner Krone zu vereinen. In diesem Bestreben war die Gribshunden eine wesentliche neue Technologie. Das Schiff war eines der ersten Kriegsschiffe, das speziell für den Transport von Artillerie gebaut wurde. Johann reiste mit dem Schiff persönlich durch sein Reich und darüber hinaus: nach Norwegen, Gotland und Schweden. Das Schiff war monatelang sein Verwaltungszentrum, während er gleichzeitig an jedem angelaufenen Hafen seine königliche Macht demonstrierte. Oft war das Schiff der Mittelpunkt eines Geschwaders oder einer Flotte: 1486 begleiteten mehr als 600 dänische Adlige und hohe Geistliche auf Dutzenden von Schiffen Johann nach Norwegen, wo er eine neue Münzstätte errichtete.

Auf seiner letzten Reise führte Gribshunden ein weiteres Geschwader zu einem politischen Gipfeltreffen im schwedischen Kalmar, wo Johann die Wahl zum schwedischen König erwartete und seine Vision einer skandinavischen Union verwirklichen wollte. Das Schiff war mit wertvollen Gütern beladen, um den schwedischen Rat zu beeindrucken, und viele dieser Gegenstände warten noch auf ihre archäologische Entdeckung.

„Ein weiteres großes Rätsel bleibt: Was hat den Untergang von Gribshunden wirklich verursacht?“, fragt Foley. „In mittelalterlichen Dokumenten ist von einem Feuer und einer Explosion die Rede, aber wir haben keine Anzeichen dafür gesehen. Vielleicht wird die Ausgrabung im nächsten Jahr Hinweise auf die Katastrophe liefern“, meint er abschließend.

Nach einer Pressemeldung der Lund University

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