Der Mann mit der eisernen Maske aus Bremen

Bremen. Eiserne Maske, vermutlich Abguss einer Totenmaske, Höhe 19 cm.
Bremen. Eiserne Maske, vermutlich Abguss einer Totenmaske, Höhe 19 cm. Foto: Denkmalpflege Bremen

Die erstaunlich gut erhaltenen frühneuzeitlichen Mumien des Bremer Bleikellers waren schon bald nach ihrer Entdeckung an der Ostkrypta des St.-Petri-Doms im Jahre 1698 zur touristischen Attraktion geworden. 1822 mussten die Mumien in eine gotische Kapelle südlich des Chores umziehen. Doch dies blieb nicht ihr endgültiger Ruheort. 162 Jahre später stand wieder ein erneuter Umzug an, als nach den Domgrabungen von Karl Heinz Brandt für die spektakulären Funde ein Museumsraum gesucht wurde. Das halbe Dutzend der natürlich mumifizierten Körper zog zum vorläufig letzten Mal in ein Nebengebäude des Doms mit Eingang zum Bibelgarten um. Bei den vorbereitenden Bauarbeiten kam 1984 offenbar eine eiserne Maske zutage. Die mit 19 cm Höhe in etwa lebensgroße Maske mit prominentem Kinn und markanten Augenbrauen stellt wohl das Gesicht eines verstorbenen Mannes dar. Bei der etwa 2,5 kg schweren eisernen Maske dürfte es sich um den Abguss einer Totenmaske handeln. Das Eisen wurde in die zu vermutende ursprüngliche Gipsform, die von dem Gesicht eines Verstorbenen mit markanter Nase genommen wurde, eingegossen, Lunker und andere kleine Fehlstellen sind deutlich zu erkennen. Wann und wie die Maske in den Untergrund des heutigen Bleikellers gelangte, bleibt unbekannt. Zu vermuten ist vielleicht am ehesten das 17. / 18. Jh., also in etwa die Zeit, aus der auch die meisten Mumien stammen. Archäologisch überlieferte Totenmasken aus Gips sind an sich schon eine Rarität. Eine Gipsmaske wurde etwa 1995 in einer durch einen Bagger gestörten Gruft auf dem Friedhof nahe der Görlitzer Frauenkirche gefunden, sie datiert ins 18. Jh. Wen die eiserne Maske mit dem charakteristischen Profil zeigt, wird vorerst ­jedoch ein Rätsel bleiben.

| D. Bischop, Freie Hansestadt Bremen – Landesarchäologie

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