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Iron Men – Mode in Stahl

März 29 Juni 26

Landsknecht-Harnisch für Wilhelm von Rogendorf (1481–1541). Kolman Helmschmid, Augsburg, datiert 1523. Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer (© KHM-Museumsverband).

Unsere Vorstellung vom geharnischten Ritter ist eine Geschichte voller Missverständnisse: Als vermeintliche Figur des Mittelalters empfinden wir ihn zwar als tapfer und männlich, aber gleichzeitig als unbeweglich und schwerfällig, eingepfercht in seinen schweren, stählernen Panzer. Dieser scheint einzig und allein für den Kampf gemacht zu sein – ob auf dem Schlachtfeld oder in Turnieren, die uns heute als brutal und martialisch erscheinen. Ritterlich-galant tritt der „Mann in Stahl“ nur der Damenwelt gegenüber auf.

Die Ursprünge dieser stereotypen Bilder sowie unserer romantisch-verklärten Vorstellungen von Rittern und Harnischen und dem damit verbundenen Männlichkeitsbild liegen zum Großteil viel weniger weit zurück, als man vermuten würde: Sie basieren auf Darstellungen, die im 19. Jahrhundert entstanden und bis heute in Literatur, Film, TV und Popkultur präsent sind – vom Ritter Ivanhoe bis zu König Artus , von den Rittern der Kokosnuss bis Herr der Ringe und Game of Thrones.

Die Ausstellung Iron Men – Mode in Stahl im Kunsthistorischen Museum in Wien hat sich zum Ziel gesetzt, diese Missverständnisse und falschen Vorstellungen in Bezug auf den Harnisch aufzuklären. Mit frischem Blick und aus so manch unerwarteter Perspektive lädt die Schau ein, die tatsächliche Lebensrealität der „Männer in Stahl“ in ihren vielfältigen Aspekten kennenzulernen.

Iron Men – Mode in Stahl zeigt die künstlerische, kulturelle, aber auch soziale Bedeutung des Harnischs in der Gesellschaft der frühen Neuzeit. Sie illustriert dabei seinen Stellenwert als politisches und dynastisches Symbol, als diplomatisches Geschenk, als persönliches und historisches Erinnerungsstück und nicht zuletzt als hochmodisches stählernes Kleidungsstück und fantasievolle symbolhafte Verkleidung – dies über religiöse, ideologische und auch geschlechtliche Grenzen hinweg.

Mode in Stahl

Der Harnisch der Renaissance war zuallererst eine Schutzkleidung, die im Krieg und beim Turniersport zum Einsatz kam. Doch war der Harnisch zugleich auch Mode in Stahl: ein teures, repräsentatives Kleidungsstück, das als modisch und schön empfunden wurde und im Leben eines adeligen Mannes vom Kindesalter bis über den Tod hinaus eine zentrale Rolle spielte.

Große Plattnermeister wie Lorenz Helmschmid in Augsburg und Filippo Negroli in Mailand waren hochbezahlte Spezialisten, die künstlerisch herausragende Einzelstücke schufen. Das Aussehen des Harnischs spiegelt stets die ästhetischen Vorlieben der jeweiligen Entstehungszeit. Manche Plattner spielten regelrecht mit der modischen Seite des Harnischs und schufen etwa stählerne Röcke und Puffärmel , die die extravagante Kleidung der süddeutschen Landsknechte imitieren.

Umgekehrt prägte die Ästhetik des Harnischs – das Stählerne, das Panzerhafte – auch maßgeblich die textile Kleidung. Sie beeinflusste dabei nicht nur die Mode der Männer, sondern auch jene der Frauen. So wirkte das textile Wams beider Geschlechter steif wie eine Harnischbrust.

Verkleidung & Crossdressing

Neben dem modischen Aspekt präsentiert die Ausstellung den Harnisch auch als Verkleidung: Turniere fanden oft zur Faschingszeit statt, die Harnische wurden zur fantasievollen Maskerade – symbolhafte Kostüme, mit denen ihre Träger in eine Rolle schlüpfen und so ihr Können und ihren Mut vor großem Publikum zur Schau stellen konnten. Plattner schufen

für diesen Zweck Helmvisiere mit menschlichen oder tierischen Gesichtern oder mythologischen Fratzen. Während der Renaissance entstand im 15. und 16. Jahrhundert neues Interesse an der griechisch-römischen Antike. Dies spiegelt sich auch in den Harnischen jener Zeit, die im

all’antica -Stil – in einer als antik empfundenen Form – geschaffen wurden und besonders im 16. Jahrhundert hoch in Mode waren. Der Träger verwandelte sich durch das Anlegen eines solchen extravaganten Harnischs in einen antiken Helden.

Plattner produzierten auch Harnische und Waffen im alla turca – Stil, in Formen, die als türkisch empfunden wurden. Türkische und im türkischen Stil geschaffene Waffen dienten als hochgeschätzte Geschenke. Sie fanden Verwendung als Kostüme für höfische Feste und Zeremonien an europäischen

Höfen, etwa bei Einzügen zu Turnieren oder Verkleidungstänzen. Turnierreiter trugen bei ihren Wettkämpfen nicht selten auch weibliche Accessoires – als Symbol für die Liebe oder um auf dynastische Allianzen zu verweisen. Bei den abendlichen Verkleidungstänzen traten die adeligen Herren dann in Verkleidungen aller Art auf, mitunter auch in Frauenkleidern. Crossdressing war, so lassen die Quellen vermuten, Teil der adelig-ritterlichen Kultur der Renaissance. Der geharnischte Mann war also nicht nur mutig und stark, sondern auch modisch gekleidet und mitunter leicht genderfluid.

Frauen im Harnisch

Der Harnisch war ein typisch männliches Kleidungsstück und eng verbunden mit der Konstruktion und Zurschaustellung von Maskulinität. Das Tragen eines Harnischs galt als klar männliche Domäne und wurde als solche in der ritterlich- höfischen Idealkultur der frühen Neuzeit hochgehalten. Doch es sind literarisch und historisch auch Frauen belegt, die Harnische trugen, an kriegerischen Auseinandersetzungen teilnahmen und

so die sozialen Erwartungen zu geschlechtsspezifisch weiblichem Verhalten durchkreuzten. Weiterführend zur Ausstellung setzt sich auch der Katalog in mehreren ausführlichen Beiträgen mit solchen Überschreitungen traditioneller Geschlechternormen – sowohl von Männern als auch von Frauen – in der frühneuzeitlichen Adelsgesellschaft auseinander.

Der Harnisch stammt nicht aus dem Mittelalter…

Der Harnisch, konkret der Plattenharnisch, der den Körper faktisch vollständig umschließt, ist kein Phänomen des Mittelalters, sondern der frühen Neuzeit: Die ersten vollwertigen Harnische entstanden erst im frühen 15. Jahrhundert in

Oberitalien und erlebten im Laufe der folgenden zwei Jahrhunderte, während der Renaissance, ihre Blütezeit.

Der stählerne Harnisch ist in geografischer und zeitlicher Hinsicht ein eng umgrenztes Phänomen. Er war eine europäische Erfindung und wurde vor allem in Europa

verwendet. Er war optimiert für die speziellen Bedingungen des Krieges vom frühen 15. bis zur ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, für den Kampf mit Lanze und Schwert sowie für den Schutz vor den Waffen der Infanterie, wie Spieß, Pfeil und Armbrust. Der Wandel dieser Voraussetzungen, nicht zuletzt die zunehmende Stärke der Feuerwaffen ab Mitte des 16. Jahrhunderts, war maßgeblich am Niedergang des Harnischs als militärische Schutzkleidung beteiligt.

… und er ist leichter und beweglicher, als man denkt

Ein Kriegsharnisch ist nicht leicht, aber leichter und flexibler, als er scheint. Er wiegt rund 20 bis 30 Kilogramm, also mitunter weniger als die Ausrüstung der modernen Feuerwehr. Das Gewicht verteilt sich zudem auf den gesamten Körper, anders als dies etwa bei einem Rucksack der Fall ist, der nur auf den Schultern lastet.

Ein Harnisch ist im Grunde eine Schutzkleidung, die gemacht wurde, um sich mit ihr am Körper zu bewegen. Wäre dies nicht möglich, hätten einander auf den Schlachtfeldern Europas im

15. und 16. Jahrhundert schwerfällige geharnischte Männer gegenübergestanden – es wären friedlichere Zeiten gewesen.

Um diese Beweglichkeit zu ermöglichen, besteht ein Harnisch aus einer Vielzahl an Einzelteilen, nicht selten bis zu 200.

Gehen, laufen und springen sind damit kein Problem. Falls nötig, konnte der Geharnischte auch Purzelbäume schlagen – wie ein spezielles Video in der Ausstellung anschaulich illustriert.

Nervenkitzel & Netzwerken – das Turnier als Sport-Spektakel

Das ritterliche Turnier im Harnisch und mit Lanzen mag für uns fremd und brutal erscheinen. Doch die Lust am sportlichen Risiko ist heute wie damals ungebrochen groß. Formel-1-Rennen oder alpine Ski-Abfahrten sind heute nicht weniger riskant und dennoch – oder gerade deshalb – für Teilnehmer*innen wie Zuschauer*innen ein Spektakel.

Das Turnier entstand im Hochmittelalter als militärisches Training für die damals neue Waffenart der Lanze. Die Übungen waren der ideale Rahmen, um Geschicklichkeit und Mut zur Schau zu stellen. Daher wandelten sie sich rasch zu aufwendig inszenierten sportlichen Wett- und Schaukämpfen. Turnierfeste fanden etwa aus Anlass von Reichstagen, Krönungen oder Hochzeiten statt. Ähnlich den sportlichen Großereignissen der Gegenwart, dienten sie dem Knüpfen von Kontakten, dem diplomatischen Austausch – und nicht zuletzt als Heiratsmarkt.

Bedeutende Leihgaben – erstmals in Wien

Iron Men – Mode in Stahl vereint erstmals einige der spektakulärsten Plattnerarbeiten, die vom späten 15. bis zum frühen 17. Jahrhundert in Europa entstanden, an einem Ort. Gemeinsam mit ausgewählten Gemälden, Textilien und Skulpturen werfen die rund 170 Objekte ein neues Licht auf ein komplexes Thema.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Meisterwerke der Wiener Hofjagd- und Rüstkammer – weltweit die bedeutendste

Sammlung ihrer Art. Ergänzt werden die Objekte durch kostbare Leihgaben aus dem Metropolitan Museum of Art in New York, der Real Armería in Madrid, der Wallace Collection in London und der Ronald S. Lauder Collection. Einige der Objekte sind dabei erstmals überhaupt außerhalb ihrer Sammlung zu sehen und wurden für die Schau in Wien aufwändig restauriert und vorbereitet.

Bedeutende Gemälde-Leihgaben kommen aus dem Metropolitan Museum of Art in New York und aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Darüber hinaus sind in der Schau Leihgaben aus dem Victoria & Albert Museum in London, der Wiener Albertina, dem Wien Museum und Schloss Ambras Innsbruck sowie fragile, selten gezeigte und teils eigens für die Schau restaurierte Objekte aus dem Depot der Hofjagd- und Rüstkammer zu sehen.

Website zur Ausstellung: https:// ironmen.khm.at

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