Blogtipp: Relikte im Moor

Vom Feld direkt ins Wohnzimmer

Blogtipp

Persönlich, aktuell, abwechslungsreich, frei – Wissenschaftsblogs bieten die Möglichkeit, den Alltag eines Forschers auf lockere Weise kennenzulernen und sind deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu klassischen Publikationen oder Websites. Das gilt auch für den Blog »Relikte im Moor«, der im Rahmen des Pro*Niedersachsen Projektes »Im Moor bewahrt – Relikte prähistorischer Siedlungslandschaften im Elbe-Weser-Dreieck« ins Leben gerufen wurde.

Dank der übersichtlichen Gestaltung findet sich der Leser schnell zurecht. Der Fokus liegt auf Feldarbeiten und Methoden. Während die erste der beiden Kategorien tagebuchartig auf besondere Entdeckungen oder Ereignisse eingeht, wie den Fund von Keramikscherben aus der Spätbronzezeit oder den Einsatz eines fast 12t schweren Bohrgeräts, werden in der zweiten Kategorie einzelne Arbeitsschritte vorgestellt, wie das Erstellen eines 3D-Modelles eines Grabgefäßes oder bestimmte Vorgehensweisen zur Sichtung des Fundmaterials.

Spannend und informativ berichten die Archäologen von den Herausforderungen, vor denen sie bei ihrer Arbeit in einem Moorgebiet stehen. So verlangt es z.B. ein grabungstechnisches Know-how, um das aus den Torfen sickernde Wasser aus tieferen Schächten abzuleiten. Thematisiert wird auch, was nach einer Ausgrabung passiert: Dann ist endlich einmal Zeit, um die Fundstücke zu waschen, zu beschriften und zu konservieren. Und so erfüllt »Relikte im Moor« auf wissenschaftlich fundierte und zugleich unterhaltsame Weise genau das, was sich der Leser eines Blogs wünscht: Näher am Geschehen zu sein.

| Leoni Hellmayr

AiD Heft 2/2021

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