Hessen: Verkehrsunfall am Limes?

Verkehrsunfall am Limes
Wallau, Hofheim am Taunus. Bronzene Jochgabel zur Führung der Zügel eines antiken Fuhrwerkes. Foto: LfDH, Bernd Steinbring

Der Obergermanisch-Raetische Limes zwischen Rhein und Donau ist das längste Bodendenkmal Europas und von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Von der insgesamt rund 550 km langen befestigten Grenze verlaufen etwa 150 km in Hessen. Nur noch wenige Reste sind heute von den entlang der Strecke ehemals zahlreich vorhandenen Kastellen und Turmstellen erhalten. Daher kommt vor allem Rekonstruktionen wie beispielsweise der Saalburg bei Bad Homburg eine besondere Bedeutung bei der Vermittlung zu. Das Umfeld der ehemaligen Militäranlagen liefert, nicht zuletzt durch die gestiegene Anzahl von Prospektionen mit Metalldetektoren, seit Langem ein breites Spektrum an Fundobjekten aus dem Alltag der hier stationierten Grenzsoldaten. Funde aus dem Limeshinterland, die etwas über das Leben abseits der Grenze erzählen und die bei systematischen Begehungen entdeckt wurden, sind hingegen eher selten.
Umso erfreulicher war daher der Fund, den ein ehrenamtlicher Mitbearbeiter aus dem Main-Taunus-Kreis 2019 während einer Feldbegehung machte: Bei Wallau, Gemeinde Hofheim am Taunus, entdeckte er das Fragment eines bronzenen Jochaufsatzes, der seiner Form nach als limeszeitlich eingeordnet werden kann. Erhalten ist die 9 cm breite Jochgabel, die als Zügelführung bei antiken Fuhrwerken diente. Deutlich ausgeprägt und fein ausgearbeitet sind die Gabelenden in Form von Schwänen- oder Basiliskenköpfen, für die sich verschiedentliche Parallelen anführen lassen. Der Fundort liegt im Bereich gut erhaltener Hohlwegstrukturen, die auf einen Verkehrsknotenpunkt westlich von Hofheim schließen lassen – einem der frühesten rechtsrheinischen Militärstandorte in der Region. Das zum Vortaunus zählende Terrain weist starke Steigungen auf, die für Fuhrwerke sicherlich nur mit Mühe zu befahren waren. Möglicherweise ging der Jochaufsatz im Zuge eines Unfalls verloren, der sich auf dem Weg zwischen dem Legionsstandort Mainz und Hofheim ereignete. Der Fund beleuchtet damit einen Teil des antiken Verkehrsaufkommens, für das sich nur selten gute Belege anführen lassen.
| K. Mückenberger, hessenArchäologie

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